Faktoren der späten Entwicklung der Politikwissenschaft in Österreich
Die besondere politische Geschichte und politische Kultur Österreichs
(antidemokratische Kontinuitäten)
das schwierige intellektuelle Milieu und das anti-diskursive Klima in Österreich
(Kontinuität des Anti-Intellektualismus, Tradition von Vorurteilsstrukturen
und Minderheitenfeindlichkeiten)
die automatische Gleichsetzung von Sozialwissenschaft mit Marxismus (Stigmatisierung
linker oder gesellschaftskritischer Positionen)
Politikwissenschaft galt als ungeliebter Import aus Amerika (irrationale
Angst vor "Überfremdung"); in Wirklichkeit: Exportprodukt aus
Europa
das ausgeprägte Juristenmonopol (in der Verwaltung und ganz besonders
in der Hochschulverwaltung) (wissenschafts- und kritikfeindliche affirmative
Gestaltungsmacht in Politik und Verwaltung)
die Kleinheit Österreichs und sein abhängige Position von den
institutionellen Möglichkeiten der Großmächte der Wissenschaft
(insbesonders Deutschland: Tendenz zu mangelnder Unterscheidung zwischen österreichischem
und deutschem Denken) im internationalen Kontext der Wissenschaft (wissenschaftliche
Zentrum-Peripherie-Problematik, parakoloniale Abhängigkeit, wissenschaftlicher
Autismus der Großmächte)
Abschottung durch anti-moderne "Westdistanz" Österreichs
(bornierter Provinzialismus)
eine nur vorübergehende, kurze Öffnung für sozial- und politikwissenschaftlich
inspirierte Gesellschaftsreformen (naturwissenschaftlich-technische Hegemonie
im österreichischen Modernisierungsdiskurs, politisches Interesse an
Konservierung bestehender Politik- und Gesellschaftsstrukturen)
Strukturelle Unterausstattung der Sozial- und Geisteswissenschaften (materielle
Armut)
Fehlen einer kritischen Öffentlichkeit, die Druck erzeugt in Richtung
Ausbau und Stärkung der Politikwissenschaft (Fehlen effektiver Lobby-Strukturen)
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