Vorlesung 'Mafia, Staat und Männlichkeit', Dr. Eva Kreisky, Institut für Politikwissenschaft - Universität Wien, 2003
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Materialien zur Vorlesung Mafia, Staat und Männlichkeit

[Albert Kraler]


Achte Vorlesungseinheit, 13. Mai 2003

Mafia in den USA: Cosa Nostra / Kosher Nostra



A) Einleitung



B) Italienische Mafia


Zwischen der sizilianischen Mafia und den USA gibt es zwei wichtige Verbindungsstränge:


  1. Ein soziologischer: Ab der zweiten Hälfte des 19.Jh. wanderten zahlreiche Italiener, viele davon aus Süditalien nach Übersee aus. Dadurch „gelang“ es auch der Mafia, in den USA Fuß zu fassen. Waren mafiotische Gruppen in den USA zunächst wohl eher lokal verortet, hatte sie später (ab den Zwanziger Jahren) rege Verbindungen zur sizilianischen Mafia.

  2. Ein politischer: Als die Aliierten 1943 in Sizilien landen wollten, sicherten sie sich vorher die Zusammenarbeit mit den italienischen Mafiabossen und italienischstämmigen US-Mafiosi wie Lucky Luciano, die dank ihres Einflusses zur weitgehend reibungslosen Eroberung der Insel beitrugen.



Die italienische Mafia in den USA


Seit Ende des 19. Jahrhunderts hatten Organisationen in den US-amerikanischen Städten mit ähnlichen Mitteln Geschäfte gemacht, wie sie aus Italien vertraut waren: Erpressung hieß das Geschäft, also Geld zu fordern für den Schutz vor angeblicher Gefahr oder für Vermittlung von illegalen "Diensten":


Die Prohibition verschaffte der Mafia einen ungeheuren Auftrieb. Später wurde der Handel mit Drogen immer bedeutsamer („Pizza Connection“)


Prohibition: staatliches Alkoholverbot, beschlossen 1919 und in Kraft seit 1920, aufgehoben 1933. Mehrere Jahrzehnte lang hatten sogenannte Enthaltsamkeitsverbände für ein solches Verbot gekämpft. Sie waren schließlich erfolgreich, nachdem die USA auf Seiten der Entente im Ersten Weltkrieg gegen Deutschland und Österreich-Ungarn eingetreten waren.

Die meisten Brauereien in den USA wurden von deutsch- bzw. österreichischstämmigen Einwanderern betrieben (z.B. Anheuser-Busch). Der Weinanbau war vor allem eine Domäne von Italienischstämmigen und Whisky wurde in Saloons von irisch- und polnischstämmigen Arbeitern getrunken. Ihnen war gemeinsam, daß sie meist katholisch waren, während die angelsächsische Machtelite der USA traditionell protestantisch war. Die Anti-Alkoholkampagne war vorwiegend das Werk protestantischer Fundamentalisten.


Das Prohibitionsgesetzt führte zu einer dramatischen Ausweitung des Schwarzmarkts, zum Entstehen zahlreicher Geheimbars („Speak Easies“), und begünstigte die Herausbildung krimineller Netzwerke. Zudem wurden zunehmend harte Getränke konsumiert.


Mafia und Gewerkschaft


„Italienisierung“ des Verbrechens:

 

C) „Kosher Nostra“

Hintergrund



D) Literaturtipps


1) USA und Mafia.


William Chambliss, "Eine kriminelle Vereinigung. Politik und Verbrechen in den USA" (1978)“


William Chambliss, „Power, Politics and Crime”. Boulder, Oxford 1999


 

2) Memoiren von amerikanischen Mafiabossen:


Martin Gosch and Richard Hammer, The Last Testament of Lucky Luciano (Boston: Little, Brown, 1975)


Joseph Bonnano, A Man of Honor: The Autobiography of Joseph Bonanno (New York: Simon and Schuster, 1983)


Vincent Teresa, My Life in the Mafia (Garden City, N.Y.: Doubleday, 1973).


3) Zur „Kosher Nostra“


Rich Cohen"Tough Jews. Fathers, Sons and Gangster Dreams”, New York 1998 (der Autor ist der Sohn des jüdischen Gangsters Mickey Cohen, der auch als Autor auftrat, siehe untenstehender Titel).


Mickey Cohen, In My Own Words: The Underworld Autobiography of Michael Mickey

Cohen (Englewood Cliffs, N.J.: Prentice Hall, 1975),


Tekla Szymanski, „Kosher Nostra“, 1998 unter http://www.tekla-szymanski.com/germ6kosher.html. (Gute Zusammenfassung der Geschichte der jüdischen Mafia)


Robert Rockaway, “But - He was good to his Mother. Lebensgeschichten jüdischer Gangster in den USA“, Hamburg 1998


Robert Rockaway, American Jews and Crime: An Annotated Bibliography. American Studies International, February 2000, Vol. XXXVIII, No. 1 unter http://www.gwu.edu/~asi/articles/38-1-2.pdf (Ein „Muss“ für jeden, der sich mit der jüdischen Mafia beschäftigen will, nicht zuletzt weil er einen guten Überblick über die Literatur zu dem Thema gibt.).