Vorlesung 'Mafia, Staat und Männlichkeit', Dr. Eva Kreisky, Institut für Politikwissenschaft - Universität Wien, 2003
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Thesen, Zitate und Literatur zu Vorlesung Mafia, Staat und Männlichkeit
1. Vorlesungseinheit, 11. März 2003

Zur Einführung: Mafia, Staatstheorie und Männlichkeit

 

Vorbemerkung: An dieser Stelle wird der Vorlesungsinhalt thesenartig skizziert, es handelt sich um kein Skriptum! Ihr findet auf diesen Seiten außerdem Zitate sowie Literaturhinweise zu den einzelnen Vorlesungseinheiten.


Schon Augustinus schreibt:

Was anders sind also Reiche, wenn ihnen Gerechtigkeit fehlt, als große Räuberbanden? Sind doch auch Räuberbanden nichts anders als kleine Reiche. Auch da ist eine Schar von Menschen, die unter Befehl eines Anführers steht, sich durch Verabredung zu einer Gemeinschaft zusammenschließt und nach fester Übereinkunft die Beute teilt. Wenn dies üble Gebilde durch Zuzug verkommener Menschen so ins Große wächst, daß Ortschaften besetzt, Niederlassungen gegründet, Städte erobert, Völker unterworfen werden, nimmt es ohne weiteres den Namen Reich an, ..." (Augustinus, Aurelius, Vom Gottesstaat, übers. v. W. Thimme, Bd.1, Buch 1 - 10, München. 1977, 173f.).

Den Zusammenhang von Räubertum und Staatlichkeit hat in neuerer Zeit unter anderem Charles Tilly wiederaufgegriffen. Er zeigt in seinen Arbeiten zu Staatsbildungsprozessen im frühneuzeitlichen Europa, dass „räuberische Gewalt“ durchaus ein fester Bestandteil staatlichen Handels war und dass das mehr oder weniger durchgesetzte Gewaltmonopol moderner Staaten weniger ein Resultat eines Befriedungswunsches war, als das Ergebnis eines Strebens nach mehr Macht und der Ausschaltung von Konkurrenten (wie lokalen Potentaten etc.).


Begriffliche Notiz: „Staatsbildung“: Staatsbildung (state formation) meint den sozialen/geschichtlichen Prozess der Herausbildung von Staaten, davon unterschieden werden soll „Staatsbau“ (state building), das den Aufbau (und Weiterbau) staatlicher Strukturen bezeichnet – Staatsbau hat seit den Neunzigern eine besondere Aktualität, die mit den internationalen „Bemühungen“ in Ex-Yugoslawien (insbesondere Bosnien-Herzegowina und Kosovo) sowie Afghanistan, und in Bälde wohl auch dem Irak zu tun haben, „funktionierende“ Staaten zu schaffen. Zwei weitere verwandte Begriffe sind „Nationsbildung“ und „Nationenbau“ (nation-building): dieser Begriff entstammt der Modernisierungstheorie und bezeichnet die (bewusste) Mobilisierung von Loyalität auf der Basis einer (mehr oder weniger) fiktiven „Nation“. Nationalismustheorie wird der Begriff weiterhin, allerdings in differenzierterer Form verwendet.


Literatur zur Vorlesung:



Zur Mafia:



Zum organisierten Verbrechen: