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Ringvorlesung:

Staatsfiktionen: Denkfiguren des Politischen Gemeinwesens

Prof. Eva Kreisky

 

Ort: NIG Hörsaal III, Erdgeschoß
Zeit: Donnerstag 12-13.30 Uhr
Beginn: 15. Oktober 2009

 

Letzte Aktualisierung: 15. Februar 2010

 

Politikwissenschaft: Politische Theorie: M3, M7, G6, F, G10, DISS;
Anrechenbar im Diplom- und Masterprogramm der Germanistik und BA Germanistik als Vorlesung Neue deutsche Literatur
sowie im Diplomstudium der Theater-, Film- und Medienwissenschaft als Spezialfach

 

Ziele und Inhalte der Vorlesung

Programm

Prüfungsmodalitäten

Abstracts, Infos zu den Vortragenden, Literaturhinweise

 

Ziele und Inhalte der Vorlesung:

 

Im Zentrum der interdisziplinären Ringvorlesung stehen unterschiedliche Denkfiguren des Staates. Neben staatstheoretischen bilden auch literarische Texte und Filme einen aussagekräftigen Fundus für Auseinandersetzungen mit Staatsmodellen, Herrschaftsdefiziten und Staatsmythen. Sie enthalten spezifische Formen des Wissens über den Staat, bilden aber auch einen integralen Bestandteil des politischen Diskurses. Sie sind von Bemühungen bestimmt, das politische Staatssystem zu reflektieren und zu verändern, beschäftigen sich mit Legitimitätsdefiziten der zeitgenössischen Herrschaftsmodelle und diskutieren unterschiedliche Formen des politischen Gemeinwesens. Dabei werden über die politischen Lagergrenzen hinweg wiederkehrende Topoi verwendet, wie die Entwicklung des Kapitalismus, Massengesellschaft, Revolutionen, Parlamentarismus und Demokratisierungsprozesse.

Ziel der Lehrveranstaltung ist es, den Staat als Denkfigur in den disziplinär unterschiedlichen Diskursen begreifbar und vergleichbar zu machen. Die Beiträge fokussieren aus verschiedenen Perspektiven – Politikwissenschaft, Literaturwissenschaft, Film-, Rechts- und Geschichtswissenschaft – auf fiktionale Staatsvorstellungen. Auseinandersetzungen mit moderner Staatlichkeit finden in und mittels verschiedener Medien statt (Roman, Drama, Film usw.), die auch verschiedene Möglichkeiten des Andersdenkens und Infragestellens staatlicher Herrschaft bieten.

   Nach staatstheoretischen und analytisch-methodischen Vorüberlegungen, werden in der Ringvorlesung insbesondere Beiträge aus der aktuellen Forschung zum Themenfeld vorgestellt.

 

Programm: (als PDF)

 

Termin Thema Vorlesungsnachlesen
15.10.09 Staatsfiktionen. Einführung in die Thematik
Eva Kreisky
Die Nachlesen dienen der Gedächtnisstütze und nicht als Ersatz für den Vortrag. Sie sind aus den jeweiligen Mitschriften erstellt und können daher auch Ungenauigkeiten enthalten. Als Prüfungsvorbereitung (Essay) empfiehlt sich auf jeden Fall auch die Literaturhinweise zu lesen.
1. Staatsverständnisse und Methodik
22.10.09 "Führung muss sein."
Carl Schmitts Abgesang auf den liberalen Staat und seine Folgen
Elisabeth Holzleithner
Holzleithner_Schmitt.pdf
29.10.09 Leviathan und Behemoth
Thomas Hobbes’ Bildsprache in der geisteswissenschaftlichen Diskussion
Rüdiger Voigt
Voigt_Leviathan.pdf
05.11.09 Tropen des Staates
Zur rhetorischen Verfasstheit literarischer Staatsentwürfe
Stefan Krammer

Krammer_Topen.pdf

PP-Tropen_Krammer.pdf

12.11.09 Geschlechterordnungen als staatliche Herrschaft
Birgit Sauer
Staatsfiktionen_Geschlecht.pdf
2. Bilder von Staatlichkeit
19.11.09 Führer, Gründer, Krieger
Erzählungen vom Anfang des Gemeinwesens
Eva Horn
Horn_Fuehrer.pdf
26.11.09 Staatliche Übergänge zwischen Demokratie und Barbarei
Die filmische Deutungsmacht in der visuellen Zeit- und Kulturgeschichte
Frank Stern
Stern_Deutungsmacht.pdf
03.12.09 „Wenn wir Menschen sehen, sehen wir nur Staatsmenschen.“
Über die Funktionstüchtigkeit der Bürokratie in der Literatur
Sabine Zelger

Zelger_Staatsmenschen.pdf
Zelger_Folien.pdf

10.12.09 Staatenlenker und Staatsdiener
Männlichkeiten im Bild des Staates
Eva Kreisky
Kreisky_Maennlichkeiten.pdf
3. Auseinandersetzungen mit staatlicher Herrschaft
17.12.09 König, Kanzler, Präsident
Träger der Staatsgewalt im Film der Zwischenkriegszeit
Martin Weidinger
Weidinger_Staatsgewalt.pdf
14.01.10 Dimensionen von Staatlichkeit
Utopische Potenziale in Literatur und Staatstheorie der Zwischenkriegszeit
Marion Löffler
Loeffler_Utopie.pdf
21.01.10 Die österreichische Revolution
Literarische Legitimationsdiskurse
Wolfgang Straub

Straub_Revolution.pdf

Revolution_Folien.pdf

28.01.10 Der Staat, der an einem Sprachfehler zugrunde gegangen ist
Robert Musils Modell Kakanien
Roland Innerhofer

Innerhofer_Kakanien.pdf

Innerhofer_Folien.pdf

 

Prüfungsmodalitäten:

Verfassen Sie einen wissenschaftlichen Essay im Umfang von 8-10 Seiten (12pt-Schrift, 1,5 zeilig) entlang einer Fragestellung, die sich auf mindestens 3 Vorlesungen bezieht. Als Hilfestellung für die Erstellung des Essays finden untenstehend einige Kriterien. Als Unterlagen stehen Ihnen die Nachlesen (werden wöchentlich ergänzt) zur Verfügung sowie Literaturhinweise zu jedem Vortrag.

Die gewählten Vorträge müssen zumindest aus zwei verschiedenen Fächerbündeln stammen. Diese sind:

Abgabetermine (= Prüfungstermin):

Zu jedem Prüfungstermin ist eine elektronische Anmeldung im univis erforderlich. Die Anmeldefrist beginnt zwei Wochen vor dem Termin.

Für den von Ihnen gewählten Prüfungs-(Abgabe-)termin ist eine elektronische Anmeldung unter Angabe des Prüfungsfaches erforderlich. Die Arbeiten können im Sekretariat des Instituts für Politikwissenschaft, NIG, 2. Stock, bei Stefan Schreier oder Martin Lexa (Zi. B 218) abgegeben werden. Bitte vermerken Sie auf dem Titelblatt Ihren Namen, Matrikelnummer und ihre Studenrichtung (für welches Fach wird das Zeugnis erworben) sowie den Titel der Lehrveranstaltung.

 

Kriterien für das Verfassen eines wissenschaftlichen Essays:

 

Ein wissenschaftlicher Essay ist eine Erörterung eines Themas ohne den Anspruch dieses erschöpfend zu behandeln. Der Essay muss eine Fragestellung haben, die am Beginn des Textes erläutert wird, um im weiteren dann von verschiedenen Seiten beleuchtet zu werden. In der Diskussion des Themas bzw. der Fragestellung braucht der Essay vor allem einen Standpunkt, den es mit Hilfe der Sekundärliteratur (durchaus auch theoretisch) zu begründen und (empirisch) zu verankern gilt. Das ist besonders wichtig, weil dieser eigene Standpunkt und die eigene Meinung bei einem Essay durchaus stärker im Vordergrund stehen dürfen als bei anderen wissenschaftlichen Texten, ein Essay also „subjektiver“ sein darf als beispielsweise eine Seminararbeit.

Der Essay muss einen erkennbaren und nachvollziehbaren Argumentationsgang aufweisen – eine klare Argumentationsstruktur bzw. ein „roter Faden“ muss deutlich werden. Die Form des Essays erlaubt mehr stilistische Freiheiten als andere Textformen, der Text kann also etwa literarischer anmuten als eine Seminararbeit, seine Gliederung muss nicht so rigide sein, dabei aber natürlich trotzdem übersichtlich und nachvollziehbar bleiben. Der wissenschaftliche Apparat muss nicht so umfangreich sein wie in anderen wissenschaftlichen Textarten, trotzdem braucht der Essay ein Literaturverzeichnis und entsprechende Zitationsangaben im Text. Zitate im Text sollten (wiederum im Vergleich z.B. zu Seminararbeiten) kürzer ausfallen und in geringerer Dichte auftreten.

Der wissenschaftliche Essay soll keine überblickshafte Darstellung, Nacherzählung oder Zusammenfassung historischer, politischer, sozialer (...) Fakten und Begebenheiten sein, sondern eine Diskussion eigener Standpunkte im Kontext der Fragestellung unter Einbeziehung und auf Basis der Sekundärliteratur!