Dr. Eva Kreisky, Institut für Politikwissenschaft - Universität Wien

Nachlese Politsche Theorien - Die Macht des Diskurses - Michel Foucault



Thesen, Themen und Materialien zur neunte Vorlesungseinheit vom 12.12.2002



Die Macht des Diskurses - Michel Foucault

[Nachlese von
Albert Kraler (Allgemein) und Thomas Iacopino (Foucault)
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"In den Diskurs, den ich heute zu halten habe, und in die Diskurse, die ich vielleicht durch Jahre hindurch hier werde halten müssen, hätte ich mich gern verstohlen eingeschlichen. Anstatt das Wort zu ergreifen, wäre ich von ihm lieber umgarnt worden, um jedes Anfanges enthoben zu sein. Ich hätte gewünscht, während meines Sprechens eine Stimme ohne Namen zu vernehmen, die mir immer schon voraus war: ich wäre es dann zufrieden gewesen, an ihre Worte anzuschließen, sie fortzusetzen, mich in ihren Fugen unbemerkt einzunisten, gleichsam, als hätte sie mir ein Zeichen gegeben, indem sie für einen Augenblick aussetzte. Dann gäbe es kein Anfangen. Anstatt der Urheber des Diskurses zu sein, wäre ich im Zufall seines Ablaufs nur eine winzige Lücke und vielleicht sein Ende."
(Michel Foucault, Inauguralvorlesung am Collège de France, 2. Dezember 1970, erschienen unter dem Title "Die Ordnung des Diskurses", Frankfurt/M: Fischer, 72000)


Inhalt:


1. Die Unordnung der Diskurse

1a. Linguistische Diskursbegriffe
1b. Der Foucault'sche Diskursbegriff
1c. Der Diskursbegriff bei Laclau/ Mouffe
1d. Zusammenfassung: Analytische Ansätze der Diskursanalyse vis-à-vis dem Habermas'schen Diskursbegriff

2. Die Wurzeln Foucaults (Strukturalismus, Mentalitätsgeschichte und Epistemologie) und seine Triebe (Postmoderne)

2a. Epistemologie
2b. Annaleschule
2c. Der Strukturalismus
2d. Neostrukturalismus/ Poststrukturalismus
2e. Postmoderne

3.Aspekte der Foucault'schen Theorie: Archäologie und Genealogie

3a. Archäologie
3b. Geneaologie
3c. Eine exemplarische Studie: Sexualität und Wahrheit

4. Literatur und Weblinks

5. Begriffe zur Vorlesung



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1. Die Unordnung der Diskurse

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1a. Linguistische Diskursbegriffe

Unter Diskurs wird dabei die

"Summe institutionalisierter und interpersoneller 'Texte' und Dialoge [verstanden], und diese wieder als konkrete bedeutungstragende soziale Handlungen, als Einzelfälle einer sozio-kulturellen, politischen und ideologischen Praxis, die gesellschaftliche Systeme und Strukturen bestimmen" (Bernd Matouschek, Ruth Wodak,; Franz Januschek (1995): "Notwendige Maßnahmen gegen Fremde? Genese und Formen von rassistischen Diskursen der Differenz" Wien: Passagen, p.45).

Der Gegenstand ist somit die Summe der zu einem geschichtlichen Zeitpunkt relevanten Texte und Dialoge eines Bereiches (etwa: der Mediendiskurs). Texte beziehen sich dabei "immer auch auf verschiedene Vergangenheiten, auf andere Texte (Intertextualität), auf bestimmte Zeiträume und Orte in der näheren oder weiteren Vergangenheit. Die Texte stehen damit in diskursiven Beziehungen zueinander, die sich linguistisch nachweisen lassen. Nach dem britischen Diskursanalytiker Norman Fairclough (1995, "Critical Discourse Analysis: The Critical Study of Language" , London; New York: Longman, p.1f) bedeutet Diskursanalyse auch Machtanalyse: "Power is conceptualized both in terms of asymmetries between participants in discourse events, and in terms of unequal capacity to control how texts are produced, distributed and consumed (and hence the shapes of texts) in particular sociocultural contexts [Macht wird zum einen als Asymmetrie in Diskursereignissen begriffen, zum anderen als die ungleich verteilte Fähigkeit aufgefasst, Herr darüber zu sein, wie Texte in bestimmten soziokulturellen Kontexten produziert, verteilt und konsumiert werden. Meine Übersetzung A.K.]" . Der Ansatz hat ein gewisses Naheverhältnis zu den britischen Cultural Studies und kann, so wie diese, als eine programmatische Richtung der (alltagsorientierten) Ideologiekritik verstanden werden. Sie bietet sich daher auch für politikwissenschaftliche Fragestellungen im allgemeinen und ideengeschichtliche Ansätze im besonderen an. (VertreterInnen: Ruth Wodak, Teun van Dijk, Norman Fairclough).


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1b. Der Foucault'sche Diskursbegriff

"Institutionen, ökonomischen und gesellschaftlichen Prozessen, Verhaltensformen, Normsystemen, Techniken, Klassifikationstypen und Charakterisierungsweisen herzustellen" (Michel Foucault, Archäologie des Wissens, Suhrkamp Verlag, Frankfurt a. M. 1997 (1969), p.68).

Geheimnisvoll wiederum die Verortung dieser Fähigkeit: weder innerlich noch äußerlich, sondern an den Grenzen des Diskurses. Über den sprachlichen Kern hinaus, an den Grenzen, beinah kaum zu hören etabliert sich das Gesagte als Praxis. Es interessieren Foucault daher diese Grenzen und in weiterer Folge die Institutionen und Praktiken, durch die Diskurse gegenüber anderen abgegrenzt werden. Diskurse sind jedenfalls nichts zufälliges, arbiträres. In seiner programmatischen Schrift "Die Ordnung der Diskurse" (Frankfurt/M: Fischer, 72000, pp.35) streicht Foucault vier Begriffe als zentral für die Analyse von Diskursen heraus: Ereignis, Serie, Regelhaftigkeit und Möglichkeitsbedingung. Sein Interesse liegt in der Folge in der Untersuchung der Beschränkung/ Begrenzung von Diskursen: um Ausschluss und Verbot. Kontroll- und Disziplinierungspraktiken setzen die Regeln für Diskurse und diesen gilt seine Aufmerksamkeit:

Ich setzte voraus, dass in jeder Gesellschaft die Produktion des Diskurses zugleich kontrolliert, selektiert, organisiert und kanalisiert wird - und zwar durch gewisse Prozeduren, deren Aufgabe es ist, die Kräfte und die Gefahren des Diskurses zu bändigen, sein unberechenbar Ereignishaftes zu bannen, seine schwere und bedrohliche Materialität zu bannen (Die Ordnung des Diskurses, p.10f).

Foucault interessiert sich insgesamt wenig für methodologische Fragestellungen - wie Diskurse dingfest gemacht werden können, sagt er nicht. Insofern teilt er die methodologische Schwäche des Paradigma/ Traditionsbegriffes der Cambridge School (Siehe dazu Achte Einheit, letzter Eintrag der Literaturtipps). Allerdings präzisiert er zumindest, wie Diskursregeln festgestellt werden können, denn

(...) der Diskurs wird konstituiert durch die Differenz zwischen dem, was man korrekt in einer Epoche sagen könnte (nach den Regeln der Grammatik und denen der Logik) und dem, was tatsächlich gesagt wird (Foucault, zitiert nach Thomas Lemke, "Kritik der politischen Vernunft. Foucaults Analyse der modernen Gouvernementalität, Hamburg, 1997, p.46).

Für Foucault bedeutet die Untersuchung von Diskursen immer auch die Untersuchung von Macht. Denn Macht strukturiert Diskurse, sie lässt manche wahrscheinlicher sein als andere, sie legitimiert sich mittels Diskurse. Die Foucault' schen Kernbegriffe Diskurs, Macht, Disziplin, Wissen, Wahrheit erschließen so ein relativ offenes Forschungsfeld, das seine Offenheit gerade daraus gewinn, dass keine eindeutigen, präzisen Definitionen erfolgen. Unter dem Blickwinkel von Diskursen können Ideengeschichte und gesellschaftliche Entwicklungen gleichzeitig ins Blickfeld genommen werden, während dabei die Frage der Macht im Vordergrund bleibt. Exemplarisch für diese Vorgehensweise soll ein Zitat aus Foucaults Studie zur Geschichte des Gefängnisses in Moderne, "Überwachen und Strafen" wiedergegeben werden. Darin untersucht Foucault an einer Stelle das Hegemonialwerden der Idee des "Individuums" im 18. und 17. Jh. und stellt fest:

Man sagt oft, das Modell einer Gesellschaft, die wesentlich aus Individuen bestehe, sei den abstrakten Rechtsformen des Vertrags und des Tausches entlehnt. Die Warengesellschaft habe sich als eine vertragliche Vereinigung von isolierten Rechtssubjekten verstanden. Mag sein. Die politische Theorie des 17. und 18. Jahrhunderts scheint diesem Schema tatsächlich häufig zu entsprechen. Doch darf man nicht vergessen, dass es in derselben Epoche eine Technik gab, mit deren Hilfe die Individuen als Macht- und Wissenselemente wirklich hergestellt worden sind. Das Individuum ist zweifellos das fiktive Atom einer "ideologischen" Vorstellung der Gesellschaft; es ist aber auch eine Realität, die von der spezifischen Machttechnologie der "Disziplin" produziert worden ist. Man muss aufhören, die Wirkungen der Macht immer negativ zu beschreiben, als ob sie nur "ausschließen" , "unterdrücken" , "verdrängen" , "zensieren" , "abstrahieren" , "maskieren" , "verschleiern" würde. In Wirklichkeit ist die Macht produktiv; und sie produziert Wirkliches. Sie produziert Gegenstandsbereiche und Wahrheitsrituale: das Individuum und seine Erkenntnis sind Ergebnisse dieser Produktion. (Michel Foucault, "Überwachen und Strafen" . Frankfurt/M: Suhrkamp, 1994 [1975]), pp.249f, Meine Hervorhebung, A.K.)

Abschließend kann gesagt werden, dass Diskurs bei Foucault ein Begriff ist, der sich auf die Regelmäßigkeit sozialer Handlungen bezieht. Letztere kann selbst wieder aus materiellem und sprachlichem/zeichenhaften "Symbolhandeln" bestehend gedacht werden. Soziale Handlungen laufen nie in einem "Zeitloch" ab, sondern beziehen sich immer auf vergangene Handlungen (und erwartete/erwartbare zukünftige Handlungen). Die in gesellschaftlichen und politischen Institutionen und Normen verdichteten vergangenen sozialen Handlungen stellen somit den Kontext dar, innerhalb dessen gegenwärtige Handlungen vollzogen werden. In dieser Perspektive erscheint die Analyse von institutionellen Entwicklungen und sprachlichen Äußerungen ("Ideen") tatsächlich als zusammengehörend.

Der Foucault' sche Diskursbegriff hat eine gewisse Nähe zu den Begriffen der "politischen Sprache" / "Tradition" / "Paradigma" der in der achten Einheit vorgestellten Cambridge School. Im Unterschied zu dieser interessiert sich Foucault weniger für explizit politische Theorien und praktisch überhaupt nicht für die "großen Namen" der politischen Theorie. Dies ist nicht nur Ausdruck eines simplen Disinteresses bzw. spezifischen Forschungsinteresses, das auf die Randzonen des Alltags (in der Form der Klinik, des Gefängnisses, des Wahnsinns..) zielt, sondern verweist auf die Foucault eigentümliche, programmatische und erst in seinen letzten Jahren abgeschwächte pessimistische Haltung bezüglich der Möglichkeit von intentionalem sozialen Handeln (und damit: Politik) überhaupt: So verschwindet bei Foucault auch der Autor/Sprecher. Diskurse "sprechen" den Sprecher: sie und ähnlich konstruierte Begriffe (z.B. Machtnetze - Foucault verwendete gern den Ausdruck "Kapillaren" als Metapher für die Verästelungen von Macht) werden zu unpersönlichen, fundamentalen, aber doch veränderlichen Strukturen, auf deren Herstellung (=Nichtnatürlichkeit) er hinweist, gleichzeitig aber unterbelichtet lässt (Mehr zu Foucualt'scher Theorie, siehe kap 3)


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1c. Der Diskursbegriff bei Laclau/Mouffe

Der Vollständigkeit halber soll noch ein weiterer Begriff von "Diskurs" erwähnt werden, der in den letzten Jahren auch verstärkt in Österreich, v.a. durch den Wiener Philosophen Oliver Marchart rezipiert wurde und mit den Namen Ernesto Laclau und Chantal Mouffe verbunden ist. Wenn auch nicht unbedingt der Diskursbegriff selbst, hat dieser Ansatz nach der blau-schwarzen Wende 2000 eine regelrechte Hausse erlebt. Die beiden letztgenannten Theoretiker haben 1985 (engl. Original) eine Arbeit vorgelegt (Ernesto Laclau, Chantal Mouffe, "Hegemonie und radikale Demokratie. Zur Dekonstruktion des Marxismus" , Wien: Passagen, 1991), in der es ihnen um eine Weiterentwicklung marxistischer Hegemonietheorie geht und in der sie das Funktionieren radikaler politischer Bewegungen (und ihrer Diskurse) untersuchen.

Ihr Diskursbegriff ist ein zeichentheoretischer. Bei Laclau/ Mouffe bezeichnet Diskurs eine Einheit divergierender Elemente, die von politischen Akteuren/ von politischen Bewegungen als in eine bestimmte Hinsicht gleich dargestellt werden. Die Einheit des Diskurses ist aber immer eine prekäre, weil die verschiedenen Diskurselemente jeweils eine Eigenlogik aufweisen, die nicht völlig auflösbar ist. Einerseits ist bei Laclau/ Mouffe Diskurs zwar grundsätzlich symbolisch, umfasst andererseits in gleicherweise Sprachliches wie Materielles, denn "[w]ie immer auch der ontologische Status einer bestimmten Klasse von Phänomenen bzw. einer bestimmten Art von Wirklichkeit, also z.B. 'die Gesellschaft' gefasst wird, ist die (physikalische, biologische, chemische, soziale, ökonomische...) Realität immer nur vermittelt wahrnehmbar, mit anderen Worten, eine Repräsentation. In zeichentheoretischer Hinsicht erweist sich jedes Objekt als diskursiv." (A.Kraler, Integration und Ausschluss, Wien 2001, p.23). In der Diskurstheorie von Laclau/Mouffe geht es insgesamt weniger um Diskurs als Bezeichnung gesellschaftlicher Praxis, noch um einen sprachlichen Diskursbegriff, sondern um eine zeichentheoretisch fundierte Theorie der Kollektivität/ Identität. (Mehr zum theoretischen Ansatz und seiner Rezeption in Österreich nach der Wende 2000 findet ihr hier)

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1d. Zusammenfassung: Analytische Ansätze der Diskursanalyse vis-à-vis dem Habermas'schen Diskursbegriff

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2. Die Wurzeln Foucaults (Strukturalismus, Mentalitätsgeschichte und Epistemologie) und seine Triebe (Postmoderne)

Foucault' s ideengeschichtliche und sozialkritische Theorieansätze sind vor dem Hintergrund mehrerer theoretischer Innovationen in den Sozialwissenschaften zu sehen, die ihren Ausgangspunkt in mehreren fruchtbaren Theoriedebatten in Frankreich haben. Zu diesen zählen der Strukturalismus, die Mentalitätsgeschichte der Annales-Schule und die französische Epistemologie in der Nachfolge Gaston Bachelards.


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2a. Epistemologie

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2b. Annaleschule

Heutzutage wird die quasi gleichzeitige Bekundung einander widersprechender Gefühle nicht mehr stillschweigend geduldet. Trotz der Anstrengungen (z.B. mittels der Tiefenpsychologie) sie für zuverlässig zu erklären, wehrt sich die öffentliche Meinung dagegen, selbst wo es den Anschein hat, sie respektiere sie. Es handelt sich dabei nicht nur um den Unterschied zwischen einem gefühlsbetonten (...) und einem moralisch anspruchsvollen, rationalen Christentum. (...) Die Sitten heute tolerieren einen derartig naiven Doppelkodex nicht mehr. Bestimmte Dinge, die in einer bestimmten Epoche und in einer bestimmten Kultur möglich und unstrittig waren, sind dies in einer späteren Epoche nicht mehr. Dass wir uns heute nicht mehr mit der gleichen Gutgläubigkeit und Unbekümmertheit wie [Margarete von Navarra] verhalten können, zeigt an, dass inzwischen ein Mentalitätenwandel stattgefunden hat. Nicht so sehr deshalb, weil wir nicht mehr dieselben Werte haben, sondern vielmehr, weil die elementaren Regungen nicht mehr dieselben sind. (Philippe Ariès, Die Geschichte der Mentalitäten, in: Jacques LeGoff, Roger Chartier, Jacques Revel (Hsg): Die Rückeroberung des historischen Denkens. Grundlagen der Neuen Geschichtswissenschaft, Frankfurt/M: Fischer, 1994, p.138f).

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2c. Der Strukturalismus

"[d]ie Struktur bildet einen strukturellen bzw. topologischen Raum (...). In ihm sind Plätze definiert, deren Kombinatorik ein strukturelles Sinnkriterium darstellt. Dieser relationale Sinn liegt möglichen Besetzungen durch Platzhalter realer oder fiktiver Art voraus. Strukturen sind unbewusst: Sie drücken sich in realen und imaginären Ordnungen aus und entziehen sich diesen doch auch, bleiben somit ein ständiges Problem." (Lexikon der Politik, Bd.1, Politische Theorien, München: CH. Beck, 1995, p.619).

Das Inzestverbot bzw. in weiterer Hinsicht, Heiratsverbote zwischen bestimmten Gruppen von näher verwandten usw. konnte Levi-Strauss mit seiner strukturalen Methode als Ergebnis eines strukturellen Codes ausweisen. Naturalisierende Erklärungen hatten damit ausgedient bzw. wurden durch einen neuen "Naturbegriff" (der Struktur) fundamental anders gedeutet.

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2d. Neostrukturalismus/Poststrukturalismus

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2e. Postmoderne

Die geschichtlichen Möglichkeiten sind durchgespielt, und die Industriegesellschaften haben eine Reproduktionsform angenommen, die neue Konzepte, neue Werte, überhaupt neue Impulse weder braucht noch, wenn sie denn aufträten, beachten könnte. Was läuft und weiterläuft, ist der sozioökonomische Apparat der Versorgung ständig wachsender Menschenmassen. Alles andere - von der großen Schlüsselattitüde bis zum Parzellenprotest - ist Illusion, bleibt ephemer und epigonal. Die bewegenden Kräfte sind allein institutionell-technischer Art, die kulturell-geistigen bloß noch Theater." (Wolfgang Welsch, Unsere postmoderne Moderne, Weinheim: VCH. Acta Humaniora, 1987, p.17)

Unübersehbar steckt im Begriff der Posthistoire ein altes Muster konservativer Gesellschaftskritik, der letztlich den Verlust der "Würde" , "Individualität" , "Erhabenheit" des einzelnen betrauert.

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3. Aspekte der Foucault'schen Theorie: Archäologie und Genealogie

Das Werk Foucault kann in verschiedene Schaffensperioden unterteilt werden, innerhalb derer (für Foucault' sche Begriffe) relativ konsistente Konzepte und Begriffe verwendet werden. Hier sollen nur die zwei für ideengeschichtliche Zugänge relevante Schaffensperioden, die der archäologischen Schriften (Ordnung der Dinge, Archäologie des Wissens) und jene der Genealogie (Sexualität und Wahrheit) hervorgehoben werden. Die Darstellung an dieser Stelle soll lediglich als Hilfe verstanden werden. Sie bietet jedenfalls keine erschöpfende Darstellung Foucaults (diese wäre wohl auch nicht in einer ihm gewidmeten Vorlesungsreihe möglich), noch ist sie eine erschöpfende Darstellung dessen, was über die Focault' sche Programmatik in Hinblick auf ideengeschichtliche Fragestellungen gesagt werden kann. Es empfiehlt sich also gerade bei Focault ihn selbst bzw. Darstellungen seiner Theorie zu konsultieren (siehe Literaturtipps zu dieser Einheit).

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3a. Archäologie

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3b. Geneaologie

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3c. Eine exemplarische Studie: Sexualität und Wahrheit

"Räumen wir einmal ein, [...] daß die Macht in den modernen Gesellschaften die Sexualität tatsächlich nicht über das Gesetz und die Souveränität beherrscht hat; nehmen wir an, daß die historische Analyse das Vorhandensein einer wirklichen 'Technologie' des Sexes enthüllt hat, die viel komplexer und vor allem viel positiver ist als eine bloße 'Verteidigung': zwingt dann nicht dieses Beispiel - [...] zu analytischen Grundsätzen hinsichtlich der Macht, die nicht vom System des Rechts und von der Form des Gesetzes herrühren?" (Michel Foucault, Der Wille zum Wissen, Sexualität und Wahrheit 1, Suhrkamp Verlag, Frankfurt a. M. 1983 (1976), p. 112)


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4. Literatur und Weblinks

Primärliteratur:

Foucault, Michel, Die Ordnung der Dinge, Eine Archäologie der Humanwissenschaften, Suhrkamp Verlag, Frankfurt a. M. 1995 (1966)

Foucault, Michel, Archäologie des Wissens, Suhrkamp Verlag, Frankfurt a. M. 1997 (1969)

Foucault, Michel, Die Ordnung des Diskurses, Fischer Verlag, Frankfurt a. M. 1996 (1972)

Foucault, Michel, Von der Subversion des Wissens, Fischer Verlag, Frankfurt a. M. 1996 (1974)

Foucault, Michel, Dies ist keine Pfeife, Hanser Verlag, München-Wien 1997 (1974)

Foucault, Michel, Überwachen und Strafen, Die Geburt des Gefängnisses, Suhrkamp Verlag, Frankfurt a. M. 1995 (1975)

Foucault, Michel, Der Wille zum Wissen, Sexualität und Wahrheit 1, Suhrkamp Verlag, Frankfurt a. M. 1983 (1976)

Foucault, Michel, Dispositive der Macht, Über Sexualität, Wissen und Wahrheit, Merve Verlag, Berlin 1978

Foucault, Michel, Der Mensch ist ein Erfahrungstier, Suhrkamp Verlag, Frankfurt a. M. 1996 (1980)

Foucault, Michel, Martin, Rux, Wahrheit, Macht, Selbst. Ein Gespräch (25. Oktober 1982), in: Martin, Luther H., Gutman, Huck, Hutton, Patrick H., Technologien des Selbst, Fischer Verlag, Frankfurt a. M. 1993 (1988), S. 15-23

Foucault, Michel, Was ist Kritik?, Merve Verlag, Berlin 1992 (1990)

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5. Begriffe zur Vorlesung

Strukturalismus

Poststrukturalismus/ Neostrukturualismus

Postmoderne

Epistemologie

Erkenntnistheorie

Diskurs, Diskursanalyse

Signifikat/ Signifikant/ Referent

Erfahrung/ Empirie

Ethnomethodologie

Methode, Methodologie

Große Erzählungen, Metaerzählungen

Posthistoire

Geneaologie

Mentalitätsgeschichte

arbiträr

Exemplarische Begriffsklärung:

--> Methode. f. 'systematisches Vorgehen nach bestimmten Grundsätzen und Regeln, folgerichtiges Herangehen an eine Aufgabe' (17.Jh.; vgl. frz. méthode, 16.Jh) entlehnt aus lat. methodus f., griech. méthodos (...) f. 'nach bestimmten Regeln geordnetes Verfahren' , eigentl. 'das Nachgehen, Verfolgen, Nachforschen, Untersuchen' ; vgl. griech. hodós (..) 'Weg' uns s. meta-. Bereits im 16.Jh. indt. Texten mit lat. Flexion für 'Lehrart, Unterrichtsverfahren' . - methodisch Adj. 'planmäßig, systematisch, einer Methode entsprechend' (18.Jh.), lat. methodicus, griech. methodikós (...) 'nach bestimmten Regeln und Grundsätzen verfahrend' . Methodologie f. 'Lehre, Theorie der wissenschaftlichen Methoden, Gesamtheit der Methoden' (um 18000); dazu: s.-logie. Methodik f. 'Wissenschaft von der wissenschaftlichen Verfahrensweise, Lehr-, Unterrichtskunde, festgelegte Art des Vorgehens' (19.Jh.), vgl. greich. Methodiká (...), Titel einer untergegangenen Schrift von Aristoteles (eigentl. Neutr.Plur. von griech. methodikós, s.oben)

(aus: Wolfgang Pfeifer (Hsg), 2000, Etymologisches Wörterbuch des Deutschen, München: DTV)

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onlinereihe: geschichte des politischen denkens





Die "Nachlesen" zur Vorlesung "Politische Theorien" sind im Wintersemester 2002/2003 entstanden. Die Nachlesen bilden einen guten Einstieg in Themen und Problemstellungen der politischen Theorie. Vielen Dank an den Autor der meisten Nachlesen, Albert Kraler.

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