Dr. Eva Kreisky, Institut für Politikwissenschaft - Universität Wien
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Wissenschaftliches Arbeiten

Howto: Textanalyse

 

Worum geht es?

Jeder Text kann analysiert werden - d.h. in seine Bestandteile zerlegt werden. Das unterscheidet wissenschaftliches von anderem Lesen eines Textes. Bei der Analyse sollte daher nicht bei den (manifesten) Inhalten - der "Geschichte" - stehen geblieben werden, sondern es gilt herauszufinden, was der Text sonst noch aussagt.


Wie anfangen?

Als Anfang ist es sehr nützlich zunächst ein "Abstract" des Textes zu verfassen. Das ist eine pointierte Zusammenfassung des Texts in wenigen Sätzen. Es sollten ganze Sätze sein und dennoch maximal 100 Wörter (die Länge von Abstracts ist keine fixe Größe, sondern je nach Vereinbarung und zu bearbeitendem Text flexibel, die angegebene Länge ist somit lediglich ein Vorschlag). Das ist zu schaffen, wenn wirklich konsequent auf die Argumentationslinie des Textes geachtet wird und nur diese dargestellt wird. Wie das Wort "Abstract" schon sagt, sollen also die zentralen Argumente abstrahiert (herausgelöst) werden. Dabei wird der Aufbau und der Argumentationsgang des Textes sichtbar.


Was dann?

Ausgehend vom Abstract können nun Fragen an den Text und das "Umfeld" (den Kontext) des Textes formuliert und erörtert werden.


Allgemeine Fragen:

WAS ist das für ein Text? Ist es ein wissenschaftlicher Text, ein Essay, eine Rede, ein Roman, ein politisches Pamphlet, ein Gesetzestext usw.? Es sollte auch angegeben werden, was als Indiz für die Zuordnung verwendet wird. Z.B. der Text ist mit Zitaten versehen, klar strukturiert und sachlich argumentiert - ergo ein wissenschaftlicher Text. Oder: hier wird eine Geschichte erzählt, die stilistisch sehr spannend gestaltet ist, mit fiktiven Personen, das ganze auf 150 Seiten - ergo ein Roman. Die Zuordnung kann auch strittig bleiben, z.B. wenn der Text sehr essayistisch ist, aber trotzdem inhaltlich und vielleicht sogar formal sehr wissenschaftlich anmutet. (Hilfe für die Zuordnung kann auch das Wissen um den Autor / die Autorin bieten.)

WER hat den Text geschrieben? (biographische Notizen, sofern sie für den Inhalt relevant sind) Es ist nicht notwendig den gesamten Lebenslauf eines Autors / einer Autorin zu rekonstruieren. Aber es ist immer interessant und hilfreich zu wissen, woher der Verfasser / die Verfasserin kommt. Ist er / sie PolitikwissenschafterIn, SoziologIn usw.? In welchem Kontext (historische Zeit, soziales Umfeld, Betätigungsfeld, Diskussionszusammenhang usw.) wurde der Text verfasst? An wen richtet er sich?


Rezeption / Wirkung:

Hier kann noch unterschieden werden zwischen dem, was der Autor / die Autorin vielleicht beabsichtigt hat...
Was wollte der Autor / die Autorin wohl bewirken? Das kann z.B. anhand der Argumentauswahl und der Argumentationsfiguren dingfest gemacht werden: Welche Metaphern, Redewendungen, Floskeln, Anspielungen tauchen im Text auf? (d.h. welche Interpretation wird dem Leser / der Leserin nahegelegt?)
... und dem, wie der Text sonst noch gelesen werden kann: Wie wird der Text (heute) und von wem wird der Text gelesen und interpretiert? Gibt es mehrere Möglichkeiten der Interpretation? (d.h. ist der Text mehrdeutig?)
... und zu guter letzt: Wie verstehe ich den Text? Und warum lese ich ihn so und nicht anders?

Alle Fragen "sklavisch" abzuarbeiten ist nicht immer sinnvoll. Das hängt vom zu analysierenden Text ab. Daher solltet ihr versuchen, für eure Analyse begründete Fragestellungen zu entwickeln. Begründet in dem Sinne, dass sie aus der Intension (und Intention) des Textes erklärbar sind.


Spezielle Fragen:

Je nach Thema und Problemstellung können weitere Fragen an den Text gestellt werden. Z.B. Wie definiert Eagleton "Ideologie"? Welche Definitionen von Ideologie gibt es sonst noch? Ist seine Darstellung plausibel? usw.
Thema und Problemstellung in diesem Sinn können sein, entweder meine Fragestellung, wenn ich gerade eine Arbeit schreibe, oder die zentrale Problemstellung des Textes selber. Für die Übung in dieser Vorlesung ist zweiter Weg naheliegend.


Formales zur Textanalyse:


Layout:

Bei Vorlesungs-, Proseminar- und Seminararbeiten etc. sollte immer am Anfang der Name der Lehrveranstaltung, der/des Lehrverstalter(s;-in) sowie das laufende Semester angegeben werden, zusammen mit euren Namen (+Matrikelnummer und Studienkennzahl) und dem Titel der Arbeit. Wie bzw. wo man das macht - ob in der Form eines Deckblattes, oder eines "Kopfs" ist an sich egal (Gerade bei kürzeren Arbeiten genügt ein Kopf).
Bei mehrseitigen Arbeiten immer Seitenzahlen einfügen!
1,5 Zeilenabstand (bei Serifenschrift, z.B. Times New Roman 12 Punkt Schriftgröße; entsprechende Größe bei anderen Schriftarten, z.B. Arial 11 Punkt).

Umfang:

Der Umfang einer Textanalyse kann sehr variieren (je nach Anforderung und zu bearbeitendem Text). Textanalysen im Rahmen von Vorlesungen oder (Pro)Seminaren umfassen üblicherweise etwa 4.000 bis 5.000 Zeichen (das sind etwa 2 bis 2 ½ Seiten; die meisten Textverarbeitungsprogramme können Zeichen/ Wörter zählen. In MSWord findet sich das entsprechende Feature unter dem Menü "Extras"/ Wörter zählen; ein etwaiges Deckblatt/ Fußnoten sind nicht mitzuzählen).


Inhalt:

Abstract, Angaben zum Autor / zur Autorin sofern relevant, Darstellung der Fragestellungen mit Begründung, Abarbeiten der Fragestellung (mit Zitaten im Text belegen), eigene Rezeption, Meinung / Kritik, im Anhang Angabe weiterer verwendeter und zitierter Literatur (Sekundärliteratur) und / oder Quellen.

 

Rechtschreibung:

Es lohnt sich, bevor ihr etwas abgebt, es noch einmal auf Rechtschreib- und andere Fehler durchzulesen. Viele Fehler beruhen auf Schlamperei und sind leicht zu verhindern!
Ob ihr alte oder neue deutsche Rechtschreibung verwenden wollt, bleibt euch überlassen. Ihr müsst diese oder jene aber konsistent verwenden!
Bei jedem Textverarbeitungsprogramm gibt's normalerweise ein Feature "Rechtschreib- und Grammatiküberprüfung", wie auch immer das im Konkreten heißt. Bei neueren Word-Versionen gibt's eine automatische Überprüfung (falsch geschriebene Worte sind unterwellt), oft auch eine automatische Sprachüberprüfung. Vorsicht: nicht alles, was Rechtschreibprogramme als falsch ausweisen, ist auch falsch (viele Fremdworte müssen erst zum Benutzerwörterbuch hinzugefügt werden - der Computer kennt sie noch nicht und weist sie als falsch aus).


Tipp: sehr hilfreiche Informationen über Textanalyse (Rubrik 'Materialien') und weiteres mehr unter:

http://www.political-science.at/lehre/

 


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